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Bereits im Oktober 2004 haben Timo und ich beschlossen, im Jahr 2005 für eine Woche nach Havanna zu fliegen. Bereits zuvor sind uns Angebote für 600 Euro im Internet aufgefallen. Dieser Betrag sollte dann auch die Obergrenze für unseren Flug mit Hotel und Frühstück darstellen. Besonders schön wäre es dann auch noch, wenn die Reise in die Semesterferien im März/April fällt, da dann auch das Wetter auf Kuba mit am besten ist. Und tatsächlich wurden wir fündig: 1 Woche Kuba für 550 Euro die Person. Zielflughafen war Varadero, das Hotel dazu stand in Santa Maria del Mar, 20 km östlich von Havanna. Minuten später war die Reise gebucht: 22.03. bis 29.03.

Der Haken des Angebots (gab`s auch schon für 480 Euro, aber nur zu einem ungünstigen Zeitpunkt) war der Abflugort Brüssel. Die Anreise mit der Deutschen Bahn kostete jeden weitere 90 Euro für die Hin- und Rückfahrt. Weiter mussten wir eine Übernachtung am Flughafen in Kauf nehmen, da der Abflug bereits um 11 Uhr war und sonst keine andere Möglichkeit bestand, rechtzeitig, z.B. erst um 7 Uhr, vor Ort zu sein.

Am Dienstag, den 22.März ging`s dann ab Stuttgart los. Von Stuttgart nach Frankfurt mache uns fast ein Böschungsbrand bei Bensheim, welche die Weiterfahrt des Zuges verhinderte, einen Strich durch die Rechnung. Mit großer Hektik bekamen wir aber dann doch den Anschluss- ICE nach Brüssel. Die Fahrt dauerte 6 Stunden und wurde durch ein Cigärrchen etwas verkürzt. Es folgte eine kurze Fahrt mit der Belgischen Regionalbahn, als wir gegen 22.30 Uhr am Flughafen waren. Geschäfte oder Bars hatten natürlich keine mehr offen, so dass wir einen Bierautomaten für unsere Gute- Nacht- Drinks plündern mussten. An Schlaf war leider nicht zu denken. Liegegelegenheiten gab es nicht und das Schlafen auf dem beheizten aber harten Boden wurde durch die Kehrmaschine stets behindert. Zum Glück haben wir eine noch geöffnete Spielhalle gefunden, in der wir unsere Scheine in Euro- Münzen tauschen konnten, um weiter den Bierautomaten zu schröpfen. So gegen drei Uhr hatte dann auch die Kehrmaschine genug und man hätte sich dann für drei Stunden aufs Ohr hauen können. Leider hatte sich inzwischen ein homosexueller US- amerikanischer Medizinstudent bei uns eingefunden, der mit seinen Erzählungen über das schwierige Leben eines Schwulen im konservativen Süden der USA das Ohr blutig quatschte. Später wollte er uns sogar mit sehr dünnen Argumenten vom Rauchen abbringen. Irgendwann müssen wir bei dem Gelaber doch eingenickt sein. Als wir durch das Geplärre aus den Flughafenlautsprechern wach wurden, war der Ami ohne Verabschiedung bereits gegangen.

Im Transitbereich des Brüssler Flughafens gönnten wir uns 2 scheißeteure Kaffee zum Wachwerden. Eine kleine Inspektion des Cigarrenangebots im Dutyfree war auch noch drin. Recht übersichtliches Angebot und teilweise etwas schlecht gepflegt. So war z.B. Bei einer Kiste D4 der Verschluss weggebrochen, eine Kiste Cohiba Robusto hatte einen recht krummen Deckel, sah irgendwie nach Wasserschaden aus. Aber naja,... Wer nach Kuba fliegt, braucht da eh nicht zugreifen.

Der TUI- Flieger hatte sowohl Kuba- als auch Mexikourlauber an Bord. Zum Glück flog er zuerst Varadero an, bevor der Rest in Cancun ausstieg. So waren wir dann auch bereits nach 10,5 Stunden fast am Ziel. Der Transfer nach Santa Maria dauerte weitere 90 Minuten. Nach dem Einchecken im Villa Megano pilgerten Timo und ich zum etwa 1 km entfernten Hotel Tropicoco, wo wir unseren Handballkumpel Major erwarteten. Dieser hat sich 10 Tage zuvor dazu entschlossen, sich unserer Reisegruppe anzuschließen. Leider war das L´tur Angebot nicht mehr zu haben, so dass er nur noch ab München einen Flug am selben Tag bekam. Für 3 Tage hatte er dann im Tropicoco ein Zimmer. Die restliche Zeit sollte er dann bei uns unterkommen.

Irgendwann im Laufe des Abends kam er dann auch. Die 3 Stunden vor der verdienten Nachtruhe verbrachten wir mit einem Fläschchen Havana Club (7 anos) am Strand.

Am nächsten Morgen unternahmen wir unseren ersten Ausflug nach Havanna. Zwar stand uns dafür ein kostenloser Shuttle zur Verfügung, dieser kommt aber Erzählungen zur Folge sehr pünktlich, war gerne mal ne Stunde zu spät oder kam auch mal gar nicht. Dies war uns zu blöd, so nahmen wir wie in der Folge jeden Tag ein Taxi. Offizielle Taxis erkannte man an der aufgeklebten Rufnummer der Zentrale (55555). Diese Taxis verlangten eine Grundgebühr von 1 $ und für jeden gefahrenen Kilometer 0,56 $. So kostete eine Fahrt in die Altstadt circa 11 $. Die andere Kategorie bilden die Taxis der „OK“- Flotte. Obwohl auch hier einmal der Taxameter mitgelaufen ist, wurde der Fahrpreis vorab mit 15$ vereinbart. Für diese Pauschale kam man dann aber auch überall in Havanna hin.

Erste Station unseres Ausfluges war die vor den Toren der Altstadt gelegene Festung „Castillo del Morro“. Zur Sicherung der Hafeneinfahrt bauten die Spanier zwischen 1589 und 1630 diese Festung (und das Castillo San Salvador gegenüber), der Leuchtturm entstand 1845. Will man nur die Festung besichtigen, zahlt man 1 CUC, der Eintritt ins Innere kostet 4 CUC, das Besteigendes Leuchtturms einen weiteren Pesodollar. Besichtigungen sind von 8 bis 19 Uhr möglich. Der Leuchtturm schließt angeblich 90 Minuten früher. Für ein kleines Trinkgeld erklärten einem die Mannen auf der Kommandobrücke ihre Aufgabe. Hier werden die Ein- und Ausfahrten der Schiffe dokumentiert. Je nach Herkunftsland wird parallel dazu die Landesflagge als Willkommensgruß gehisst.

Mit dem Taxi ging es weiter durch den Tunnel „Túnel de la Habana“ unter der Hafeneinfahrt hindurch zur Altstadt Havannas. Am Rande des „Canal de Entrada“ wurden wir nach 5 Minuten Fahrt am Markt rausgelassen. Dort, nahe der „Catedral de San Cristóbal“, werden auch die meisten Touris, welche die Altstadt besichtigen, hingekarrt. An der „Avendia del Puerto“ ist fast täglich Markt, wo man sich ordentlich mit Souvenirs zudecken kann. Vom liebevoll Selbstgebastelten bis hin zum anspruchvollen Humidor kann man hier fast alles „Kubatypische“ erwerben. Daneben werden exotische Getränke (wie frische Kokosnüsse) und kleine Knabbereien verauft. Nach einer Durchsicht der Stände tauchten wir nun in die Altstadt ein.

Dabei kann man die von vielen Reiseführern empfohlene Route wählen. Vorbei am „Castillo de la Real Fuerza“ haben wir uns zum „Plaza de Armas“ vorgetankt. Dieser alte Exerzierplatz des 16. Jhdt. War einst das politsche Zentrum der spanischen Kolonie. Im Park steht die Statue des kubanischen Unabhägigkeitskämpfers Céspedes, viele Bücherhändler, Schausteller säumen den Platz. Daneben befinden sich 2, 3 Restaurants, in denen auch zur Mittagszeit Musiker ihr bestes geben. Gegenüber des Platzes befindet sich das „Museo de la Ciudad“, dort kann man sich ein Bild über die Lebensweise der spanischen Kolonialherren machen. Zu sehen gibt es Kutschen, Möbel und kubanische Kunst. Zwischen dem Platz und dem Museo ist die Straße komplett mit Stirnholzklötzchen ausgelegt. Angeblich waren den spanischen Stadthaltern die auf den Pflastersteinen vorbeifahrenden Kutschen zu laut, daher griff man auf die lärmabsorbierende Holzstraße zurück.

Unser Weg führte uns weiter nach Süden zum „Plaza de San Francisco de Asís“, dort kann man am Brunnen eine Pause machen und von der Asís- Kirche Fotos machen. Des weiteren befinden sich am Platz ein Postgebäude und – ganz wichtig – eine Wechselstube.

Am Schalter Geld wechseln kann man übrigens, soweit wir das beurteilen konnten, nur hier und am „Museo de Finanzas“ in der Straße „Obispo“. Ganz selten findet man noch einen Automaten, an dem Geld mit der Kreditkarte (PIN notwendig) ziehen kann. An beiden Geldwechselstuben das gleiche Bild: Die Schlange war meist so 20 Menschen lang, auch viele Einheimische waren darunter, um wohl ihr Euro- und Dollar- Trinkgeld in Pesos (konvertible?) zu wechseln. In der Stube stand ein Wärter, der immer nur dann für eine Person Einlass gewährte, wenn einer der 2 oder 3 Schalter frei wurde. Entsprechend herrschte drinnen kein Gedränge. Das Wechseln von Euro in konvertible Pesos klappte problemlos. Der Peso orientiert sich im Wert am US- Dollar. Für einen Euro bekam man also zwischen 1,24 und 1,26 Pesos. Daheim war der Euro allerdings knapp 1,30 Dollar wert, der Abschlag ist wohl ne Art Bearbeitungsgebühr. Geld bekommt man ebenfalls OHNE PIN mit seiner Kreditkarte. Allerdings sollte man hier seinen Reisepass nicht vergessen, da für die Aktion die Passnummer u.a. benötigt wird. Ein Tipp für Pfennigfuchser: An den Automaten ist der Kurs etwas besser. Dort haben wir zur gleichen Zeit etwa 1,29 Peso für einen Euro bekommen.

Der Weg führte uns weiter gen Osten zum „Plaza Vieja“, der im 16. Jhdt. als Sklavenmarkt genutzt wurde. Restaurierte und verfallene Häuser der Sklavenhändler begrenzen den Platz. Von diesem Platz führt wieder nach Norden weg die Straße „Mercaderes“. Wir entschieden uns, unseren bekannten Torcedor Reynaldo Gonzáles Jiménez zu besuchen, der im Hostal del Habano „Conde de Villanueva“ (Calle Mercaderes No. 202, Esquina (Ecke) a Lamparilla, La Habana Vieja, Tel.: 62 92 03 oder 62 96 98) seine Casa hatte. Ich persönlich hatte Reynaldo bereits im Jahre 2002 in seiner Casa besucht und seine selbstgewickelten Cigarren probieren können. 2004 war er mit 5thavenue aufgrund der Markteinführung der Siglo VI auf Deutschlandtour. Dabei machte er auch Station in Schwäbisch Gmünd. Neben seinem „Showdrehen“ im Cigarrenladen verlebte er einen schönen Abend im Kreise des Gmünder Cigarrenclubs. Von den zwei Ereignissen hatte ich Fotos geschossen, die ich ihm an diesem Tag mitbrachte. Natürlich hat er sich sehr gefreut und uns sogleich gefragt, ob wir in seinen Räumlichkeiten eine Cigarre rauchen wollten. Natürlich haben wir dies bejaht und sogleich führte uns der Weg zu seinen „Schließfächern“, wo er bereits persönlich gefertigte Cigarren auf Lager hatte. Nachdem die Frage nach dem Lieblingsformat geklärt war (jeweils Figurado, möglichst groß) reichte er jedem vier oder fünf Riesenbrummer (damit war der Bedarf für 2 Tage gedeckt). Anschließend führte er uns in sein zweites Zimmer, wo wir mit Kaffee, Cutter und Feuerzeug versorgt wurden. Zwei Stunden dauerte somit der Aufenthalt in den herrlich klimatisierten Räumlichkeiten. Ab und zu ließen sich ein paar Kumpels von Reynaldo blicken, die einen Kaffee schlürften, ansonsten war es herrlich ruhig (Ganz anders in den Fabriken Partagás und Romeo y Julietta, aber das kommt noch...). Bevor wir unsere Stadttour fortsetzten, bestellte ich bei Reynaldo noch 25 Diademas. In drei Tagen, also am Samstag, durfte ich sie abholen.

Irgendwo in der Altstadt aßen wir übrigens auch zu Mittag. Ein kleines Lokal namens „El Tajadillo“ (Calle Tejadillo No 12, Ecke San Ignacio), in dem „Guarapo con ron“ frisch zubereitet wurde, hatte es uns angetan. Der Speisesaal ist ähnlich wie unter einer Pergola offen und lichtdurchflutet, serviert werden einfache, leichte Mahlzeiten zu anständigen Preisen. Guarapo ist der einfachste kubanische Cocktail. Durch eine Presse werden Zuckerrohrstangen getrieben. Pro Rohr wird eine Limette mitausgepresst. Der gelbliche Saft wird mit circa einem Viertel Rum versehen – fertig. Gekostet hat ein Drink 3 CUC. Zu Essen gabs für faire 4 CUC Hähnchen mit Reis und Süßkartoffeln.

Zurück am „Plaza de la Catedral“ besuchten wir „La Bodeguita del Medio“, eine Bar, die man nur kurz gesehen haben muss. Hemingway trank dort einst seinen Mojito, ein Grund dafür, warum die wenigen Quadratmeter stets mit lärmenden Touris überfüllt ist. Hier soll der Mojito noch teuerer sein, als am Kathedralenplatz, des weiteren sind auch die Speisen nicht die günstigsten. Und nur weil Hemingway... also wirklich nur was für Fans.

Wir verließen die Altstadt in Richtung „Castillo San Salvador de la Punta“. An dieser Stelle trafen wir einige Fischer. Mit Blick auf das „Monumento a Máximo Gómez“ gönnten wir uns ein kleines Päuschen, bevor wir einen kurzen Abstecher zum Malecón, der mehrspurigen Küstenstraße, machten. Mittags flanieren hier meist junge Leute, andere baden im Meer oder versuchen Fische zu fangen. Abends ist es ein Treffpunkt für Pärchen, Prostituierte, Schwule und Schwarzmarktgeschäfte – ein idealer Platz also, um mit Blick aufs Meer ein Fläschchen Havana Club zu trinken.

Nachdem wir ein paar Kugelschreiber und Feuerzeuge an ein paar Rotzlöffel loswurden und nachdem uns eine Musikkongo 3 Dollar abverlangte, nur weil sie unaufgefordert vor uns zu trällern begann, wurde es dunkel und es ward Zeit zum Abendessen.

Bereits mittags hatte uns ein Herr um die 35 Jahre angesprochen, ob wir nicht Lust hätten, abends frischen Hummer („Lobster“) oder Garnelen mit sämtlichen Beilagen für 10 Pesos zu essen. Der Kerl konnte recht gut deutsch, was angeblich auf einen Arbeitsaufenthalt in der DDR zurückzuführen war. Da uns so ein Arrangement grundsätzlich interessierte, sagten wir zu und vereinbarten gleich einen Treffpunkt um 19 Uhr. Als wir um 19 Uhr an einer Ecke mitten in der Altstadt eintrafen, erwartete man uns schon. Der Typ, Lazaros hieß er, führte uns in eine Hausflur in den ersten Stock, wo er an einer kleinen Tür klopfte. Es öffnete eine ältere Frau, die uns als seine Tante vorgestellt wurde. Als wir eintraten standen wir bereits mitten im leergeräumten Wohnzimmer, maximal 12-14 Quadratmeter groß, ohne Fenster aber mit Klimaanlage, Musik und einem fetten Kühlschrank. Vom Dachboden brachte ein junger Kerl 4 Plastikstühle und einen wackligen, kaputten Tisch daher, welche auch gleich vor unseren Augen aufgebaut wurden. Wir setzen uns und die Tante erklärte Lazaros die Speißekarte, welche er uns sogleich übersetze. Wir bestellten zweimal Lobster und einmal Garnelen mit Gedöns. Die Nichte betrat das Zimmer und fungierte fortan als Bedienung. Sie nahm die Bestellung auf und versorgte uns mit Bier. Die Tante schmiss in der Küche nebenan den Ofen an. Als ersten wurde der Salat gereicht, bevor 15 Minuten später der Hauptgang kam. Gereicht wurde die Hauptspeise mit ein wenig Beilagensalat, Reis & Bohnen (Nationalgericht) und gebackenen Bananen. Während wir aßen, erklärte uns Lazaro das Leben auf Kuba und gab Tipps für das Nachtleben. Die Nichte sorgte stets für Biernachschub und spielte DJ. Nach dem wirklich sehr guten Essen besuchten wir mit Lazaro einen seiner Geheimtipps für das Nachtleben. Besonders günstig seien die Drinks dort und die Musik einzigartig. Der Weg führte uns über einen Straßenstrich, die knapp und aufreizend gekleideten Mädels steckten uns im Vorbeilaufen Zettel mit Adressen und Telefonnummern zu. Die Bar war in der Tat recht schnugglig. Die drei Musiker sorgten für die perfekte Stimmung und auch der Barkeeper verstand es, Weltklasse- Mojitos zu fertigen. Zwar waren die Drinks billiger als auf dem Kathedralenplatz, der Umstand, dass Lazaro auf unsere Kosten mitsoff, führte dazu, dass uns ein Mojito 5 Pesos kostete, also 2 Pesos mehr als auf der Luxusmeile. Naja. Irgendwann wurde es etwas unseriös, da Lazaro anfing, uns auch noch ein paar Frauen („wunderschöne kubanische Blumen“ nannte er sie) verkaufen zu wollen. Wir verabschiedeten uns (Lazaro, der fortan nur noch „die schmierige Drecksau“ genannt wurde, bestellte noch einen auf unsere Rechnung) und machten uns mit einer Flasche Havana Club auf zurück zum Malecón. Der Rum und eine von Reynaldos Cigarren sollten den Ausklang für den Ersten Tag in Havanna bilden.

Den zweiten Tag der Havanna- Erkundung starteten wir mit der Besichtigung der Partagás- Fabrik. Führungen werden angeboten zwischen 9 und 15 Uhr, wobei in der einstündigen Mittagspause zwischen 11 und 12 Uhr gar nichts geht. Angepriesen werden die Führungen alle 15 Minuten, wobei man eher das Gefühl hat, dass Führungen beginnen, wenn a) sich genug Interessenten eingefunden haben und b) ein Führer mit entsprechenden Kenntnissen zufällig am Start ist – dabei werden die 15 Minutenzyklen aber locker eingehalten. Hören kann man die Führungen in spanisch, englisch, italienisch und ich glaube sogar in französisch. Warum gerade der deutschsprachige Raum (als Wohnraum vieler Havanna- Konsumenten) nicht berücksichtigt ist, bleibt offen. Die Karten für die Führung kosten (wie in übrigens jeder Fabrik mit Besichtigungsmöglichkeit) 10 CUC und können in der angeschlossenen Casa gekauft werden. Dort wartet man auch, bis man vom jeweiligen Führer abgeholt wird. Unsere (englischsprachige) Tour führte zuerst durch den Eingangsbereich nach rechts weg, wo im Erdgeschoss der Tabak angeliefert wird. Dort wird der Tabak vor 3 bis 4 Arbeitern befeuchtet, damit dieser weiterverarbeitbar ist. Im ersten Stock werden dann die Tabakblätter sortiert, gewogen und anschließend den Rollern zugeführt. Auf der gleichen Ebene befindet sich übrigens die Lehrwerkstatt der Fabrik. Dort sitzen etwa 50 Leute – jung wie alt – und üben sich im Cigarrenrollen. Die gefertigten Cigarren werden von Einheimischen konsumiert, die Azubis bekommen Geld für ihre Tätigkeit. 8 oder 9 Monate dauert die Ausbildung, nur 20% schaffen den Sprung in eine feste Beschäftigung. Im 2. Stock befindet sich das eigentliche Herzstück der Fabrik. Bestimmt 200 Arbeiter sitzen in 2 Flügeln rechts und links des nach oben offenen Innenhofes und wickeln die Havannas. Hier hat man erstmals das Gefühl, dass „ordentlich“ gearbeitet wird. Kein Wunder: Die Menschen müssen ein gewisses Soll erfüllen. Abhängig vom Format müssen am Tag circa 100 Cigarren gefertigt werden. Die fertigen Cigarren werden in 50er- Einheiten zusammengebunden und mit einem Zettel versehen, der bei der anschließenden Qualitätskontrolle die gefertigten Tabakwickel den jeweiligen Arbeitern zuordenbar machen. (Entsprechend gibt es was auf den Deckel, wenn die Cigarren nicht den Ansprüchen genügen.) Ein Raum weiter werden die Cigarren in einer Maschine einem Zugtest unterzogen. Angeblich werden 50% der täglich 12.000 produzierten Cigarren so überprüft. Im Raum befanden sich zu der Zeit etwa 5 Arbeiter. Keiner von Ihnen hat gearbeitet, weiter konnte nirgendwo im Raum ein Stapel Cigarren gesichtet werden. Im obersten Stockwerk erfolgt die Sortierung der Cigarren nach Farbschattierungen. 60 Brauntöne werden unterschieden, manche behaupten, dass die Leute bis zu 90 Nuancen unterscheiden können. Letztendlich werden die Cigarren in die Kisten gepfercht. Wieder eine Station weiter herrscht wieder etwas mehr Betriebsamkeit. Hier werden den Cigarren die Bauchbinden verpasst. Circa 40 Kisten muss eine Person am Tag schaffen, entsprechend schnell geht hier die Arbeit von der Hand. Die Damen entnehmen die Cigarren den Kisten und suchen bei jeder einzelnen die Schokoladenseite. Dort wird dann die Front der Bauchbinde angebracht. Da bei jedem Arbeitsschritt eine Qualitätskontrolle gewünscht ist, hat man auch hier als Arbeiter die Möglichkeit, unpassende oder beschädigte Cigarren auszusortieren. Diese werden einfach verkehrt herum wieder in die Kiste gelegt und später durch eine schöneres Modell ersetzt. Nach dem endgültigen Verpacken wird die Kiste noch mit einem Datumsstempel versehen – fertig. Die circa 40minütige Tour endete mit einer Besichtigung der Kistenveredelung. Hier wird am Beispiel der Monte 4- Kiste verdeutlich, wie schnell und fingerfertig die Damen das Papier auf die Zedernholzkiste kleben.

Gerade in der Fabrik Partagás wurden zum Zeitpunkt unserer Besichtigung massenweise die neuen P2 produziert. Obwohl die Markteinführung in Deutschland in greifbarer Nähre war, konnte man direkt an der Quelle keine der Kisten im Laden käuflich erwerben. Als ich den Führer daraufhin ansprach, deutete er an, dass es schon Wege gibt, dennoch an eine Kiste heranzukommen ;-). Am Ende der Führung gab er mir seine Handynummer, gleichzeitig machten wir einen Treffpunkt und eine Uhrzeit für die „Übergabe“ der Cigarren aus. Da er in der Nähe der Fabrik wohnte, war es naheliegend sich im wenige Meter entfernten Hotel Inglaterra zu treffen. 19 Uhr vereinbarten wir, dazu später mehr.

Nach der Führung verweilten wir noch ein paar Minuten in der angeschlossenen Casa. Eigentlich kein Spaß. Man merkt schnell, dass jeder, der sich für die Cigarrenproduktion interessierte, wohl hierher gekarrt wird. Entsprechend ging es im Laden zu wie im Alten Rom. Auf wenige ruhige Minuten folgte eine etwas länger andauernde Phase, die dem Sommerschlussverkauf gleicht. Ein vollbesetzter Touribus fährt vor und 40 bis 50 Leute füllen schlagartig die zwar große, aber für diese Menschenmassen ungeeignete Casa. Im hektischen Treiben kaufen die Leute alles greifbare. Bekannte Marken wie Cohiba und Montecristo wechseln den Besitzer. Selten sah man einen Käufer, der nach „exotischerem“ fragte. Für den erfahrenen Raucher also sicher nicht der Cigarrenhimmel auf Erden. Überfüllte Räume, die anwesende Dreherin hatte bei weitem nicht genug eigengefertigte Cigarren für alle und die sonst offerierte Ware möchte ich als langweiligen Standart bezeichnen. Die Zeiten, wo man noch eine menschenleere Casa betrat und eine 5 Jahre alte Kiste Por Larranaga Petit Coronas verstaubt im Eck für sich entdeckte, sind wohl vorbei.

Nachdem wir die Schnauze voll hatten, machen wir uns auf den Weg in Richtung Capitol. Wie schon vor drei Jahren wird man dort alle 5 Meter gefragt, ob man Cigarren kaufen möchte. Die in der Fabrik seien schweineteuer, man könne sich ruhig mal davon überzeugen. Die angepriesene Ware sei aber um einiges billiger und natürlich alles original und bester Qualität. Die Wortfetzen „Billige Preis“, „gute Qualität“ und „Nur gucken, kein Problem“ gehören anscheinend zum Wortschatz eines jeden Dealers (viel mehr gab´s dann zumindest auf Deutsch aber nicht). Da ich mir bereits vor 3 Jahren den Spaß gönnte, mir die Cigarren zeigen zu lassen, wollte ich diesmal auch meine Freude an diesem Erlebnis einmal teilhaben lassen. Das Gerede über grüne Cigarren, Glasdeckel- Cohibas, schiefe und schlecht gedruckte Bauchbinden, grottenschlechte Stempel auf den uralten Kisten sollte nun endlich durch eigene Erfahrungen ersetzt werden.

Also haben wir uns unweit der Partagás- Fabrik anquatschen lassen. Natürlich hatte er die Cigarren nicht in der Hosentasche, er wohne aber wirklich nicht weit gleich um die Ecke. Der Weg führte uns links an der Fabrik vorbei in die „Chinatown“. Nach 10 Minuten (soviel zum Thema „gleich um die Ecke“) betraten wir einen Eingang, erklommen eine Treppe in den ersten Stock, leifen über einen Innenhof, bevor wir von einer weiteren Person in einem kleinen Wohnzimmer bereits erwartet wurden. Wir waren überrascht: KEINE Glasdeckel, uralte Kisten, schlecht platzierte Bauchbinden, grüne oder farblich bunt gemischte Deckblätter. Wirklich nett anzusehende Cigarren. Natürlich bekam man (fast) nur die Klassiker, Marken, die auch jeder noch so unerfahrene Touri kommen muss: Cohiba, Montecrosto, Romeo&Julietta. Erstaunlicherweise wurden nicht wie erwartet die Espeldidos angeboten, statt dessen Sublimes, Siglo 6 und die entsprechenden Robusto. Trinidad Fundadores gab es auch noch.

Fürs erste haben wir dankend abgelehnt, eine Kiste zu kaufen. Wir behaupteten, wir seien Nichtraucher und wollten schlielich nur mal „luggiluggi – no problem“. Wir wurden auch nicht weich, als der Preis für die wirklich sehr schön anzusehenden Cohiba Robusto von 70 auf 30 Dollar fiel.

Um aber dem Hof dennoch lebend zu verlassen, haben wir für 10 Dollar 5 einzelne Monte 2 gekauft. Die Dinger waren von der Ware in Deutschland nicht zu unterscheiden. Geschmacklich wirklich einwandfrei - und als Fan der Monte 2 wage ich hier ein Urteil fällen zu können. Eine Cigarren haben wir dann aufgeschnitten. Durchweg ganze Tabakblätter, keine Hackschnitzel, Äste, Bananenblätter oder Papier. Den Rest der Cigarren habe wir geraucht. Wirklich erstklassiger Rauchgenuss.

Es folgte eine kurze Besichtigung des „Capitolio Nacional“. Wirklich beeindruckendes Bauwerk, sicherlich eines der meist fotografierten Motive in Havanna. Aber ansonsten... Das kostenpflichtige Museum oben machte uns nicht an. Als wir uns auf die imposanten Treppen für eine kurze Verschnaufpause setzten wollte, rügte uns ein herbeigeeilter Wachmann. (Stunden später saßen dann übrigens doch 100 Leute auf den Treppen...) Das Bier am Fuße der Stapfen kostete das Dreifache wie 10 Meter weiter auf der anderen Straßenseite. So machten wir ein paar Fotos und verließen das Capitolio in Richtung Norden vorbei am Kino und am „Gran Teatro de la Habana“ um bei einem Bierchen am „Parque Central“ eine Pause einzulegen. Am Rande des Parkes entdeckten wir auch gleich das Hotel Inglaterra, in dem wir unseren Freund aus der Fabrik treffen wollten.

Die Erlebnisse im Zentralpark waren doch höchst unterhaltsam. Erst einmal muss angemerkt werden, dass dieser Platz nicht gerade von sehr vielen Touris besucht wird. Er ist eher ein Treffpunkt für den unterhaltungssüchtigen Einheimischen. Ganz großer Sport ist es, sich lauthals über Baseball zu unterhalten. Erst dachten wir, dass sich in der etwa 30köpfigen Männerrunde eine Schlägerei anbahnt, wir haben uns aber im Laufe des Aufenthaltes über den Sinn des Gebrülls aufklären lassen. Wir haben uns also uns also recht zentral auf einer Parkbank mit einem cerveza bewaffnet niedergelassen. Schnell zogen wir das Interesse der anwesenden Kubaner auf uns, da außer zwei römische Hinterlader (die –so stellte sich bald heraus- dort auf Strichersuche waren) wir die einzigen Europäer am Start waren. So dauerte es nicht lange, bis sich drei Kerle auf der Bank neben uns einfanden und das Gespräch suchten. Nachdem (klassisch!) geklärt wurde, wo wir herkamen, kamen die Jungs schnell zum wesentlichen... ob wir denn Cigarren bräuchten, war die Frage. Nachdem wir dies verneinten wurde auch schon wenige Minuten später die zweite „Ich will Euer Geld“- Waffe gezogen. Ob wir denn schon wüssten, wo wir heute Abend essen wollen. Dem englsich-spanischem Kauderwelsch konnten wir die Begriffe „Lobster“, „very cheap“, „very good“ entnehmen und wussten so auch bald, auf was es hinauslaufen sollte. Aber auch hier gaben sich unsere Gäste schnell mit unserer Ausrede zufrieden, wir würden uns im Laufe unsers Urlaubs ausschließlich von Bier ernähren. Inzwischen hat sich die Polizei eingefunden, der aufgefallen war, dass dort wehrlose Touris vollgequatscht werden. Sogleich wurden zwei der drei Männer verhaftet, da der Grund ihres Havannaaufenthaltes (beide kamen eigentlich aus Hoiguin) nicht eindeutlich geklärt werden konnte. Der dritte im Bunde, auch aus Hoiguin, hatte eine Arbeitserlaubnis vorzuweisen und durfte daher bleiben. Nun began man, sich über die anwesenden Personen im Park zu unterhalten. Da wir bereits öfters auf käufliche Liebe angesprochen wurden, und uns die Sache langsam auf den Sack ging, erlaubten wir uns den Spaß und stellten uns als homosexuell dar. Einem hergewunkenen Zuhälter wurde unsere Neigung kurz erklärt, woraufhin sich ein, zwei grinsende Stricher mehr in sicherer Entfernung tummelten. Wir schauten und bei Bier und Cigarre noch eine halbe Stunde desinteressiert im Park um, bevor wir unsere homosexuelle Neigung als kleines Missverständnis aufklärten. Natürlich stünden wir auf Frauen und sogleich wurden uns entsprechenden Arrangements für die Abendstunden angeboten, selbst 14jährige chikas hat man uns versprochen. Das wurde uns dann doch zu pervers und wir verlagerten den Unterhaltungsschwerpunkt mit dem hartnäckigen Kubaner. Das Bier war uns ausgegangen und so schickten wir den Kerl mit ein paar Dollar zum nächsten Kiosk, er selber dürfe sich als Dankeschön auch ein Bierchen gönnen. Es dauerte ein wenig und eigentlich dachten wir, er hätte sich nun mit 4 Dollar aus dem Staub gemacht, aber da kam er dann doch mit den Bieren. Stolz präsentierte es seinen Stricher- und Zuhälterkumpel den tollen Fang. Letzendlich vergingen über 2 Stunden im Park, bevor wir zum Essen wieder in Richung Altstadt wanderten. Ziel war das 100 Meter südlich des „Plaza de San Fransisco de Asís“ an der „Bahía de la Habana“ gelegene „Museo del Ron Havana Club“. Das Museum wurde im Jahr 2000 eingerichtet, um anhand von Modellen, Bildern und nachgebauten Produktionsstätten den Interessenten die Produktion des leckeren Saftes nahe zu bringen. Führungen werden so grob zwischen 10 und 16 Uhr angeboten. Wenn ich mich recht erinnere kostete die circa 30minütige Führung 4 oder 5 Pesos. Anders als in den Fabriken durfte hier fotografiert werden. Es gab ja eh nur fein rausgeputze Modelle. Das Arbeitsleben in den Rumfabriken konnte man ja nicht fotografieren, also keine Gefahr. Am Ende der Tour landet man in einer großen Bar, wo jeder der circa 20 Leute einen Fingerhut voll 7jährigen bekam. Im angeschlossenen Shop konnte man alle Rums und sonstigen Havana Club- Schnickschnack wie T- Shirts, Eisbehälter, etc. Dieses Angebot wurde auch von einer kanadischen Reisegruppe rege genutzt. Viel interessanter war die Havana Club Bar ein paar Meter weiter. Heir genossen wir unseren besten Mojito des Urlaubs. Die sechsköpfge Band „Pino y su versón“ heitze uns ordentlich ein. Urlaubsgefühle pur. Nebenbei waren die Preise für das Essen auch nicht überzogen. Die Bar ist wirklich ist einen Besuch wert.

Es war später Nachmittag und das Treffen mit unserem Freund aus der Fabrik, er heißt übrigens Yimal, war erst in 2 Stunden. So setzten wir uns doch noch kurz in die Bar am Kathedralenplatz und gönnten uns einen Mojito. Der klassische Mojito kostete 3 CUC, wir bestellten aber eine mit 7jährigem Havana Club, der dann 4 CUC kostete – 3,20 Euro für eine Mojito am wirklich schönsten Platz Havannas, da konnte man nicht meckern, zumal in Deutschland ein vergleichbarer Cocktail 7 oder gar 8 Euro kostet.

Nach dem Drink machten wir uns wieder auf den Weg in Zentrum zum Inglaterra neben dem Zentralpark. Nach 30 Minuten Fußmarsch durch touristisch unerschlossenen Straßen kamen wir am Ziel an. Wir saßen bereits bei einem Mojito also pünktlich Yimal eintraf. Er begrüßte uns freundlich, es folgte eine kurze Vorstellungsrunde, dann setzte er sich und bestellte sich ebenfalls einen Drink. Er hatte wohl etwas Zeit mitgebracht uns so unterhielten wir uns über eine Stunde (dank seines perfekten Englisch) über Gott und Kuba. Ein wahrer Glücksgriff war das Treffen. Selten konnte ich mich mit einem Kubaner derart ausgiebig und detailliert über das Leben auf Kuba und das System inkl. Fidel Castro unterhalten. Der Name Fidel Castro durfte zwar nicht laut durch die Bar posaunt werden, wir einigten uns auf die Bezeichnung „the guy“, aber ansonsten ließ das Gespräch keine Fragen offen.

Die Übergabe der Cigarren konnte natürlich nicht einfach so in der Kneipe stattfinden. Unser Kontakt legte ein Schweizer Taschenmesser auf den Tisch. Mit diesem sollte ich die Banderolen der Zigarrenkiste, die sich in seiner Tasche befand, auftrennen, um mich von der guten Qualität der Cigarren zu überzeugen. Während das alles passiert, sitzt er ein paar Meter weiter in einer etwas unauffälligen Bar. Wenn die Cigarren zu meiner Zufriedenheit sind, so sollte ich diese in meiner Tasche verstauen und danach ihm seine Tasche in die andere Bar bringen. Dort konnte dann auch das Finanzielle geregelt werden. Die Cigarren waren erstklassig und auch die Verpackung ließ keine Wüsche offen. Es wäre für uns ein leichtes gewesen, nun mit den Cigarren im nächsten Taxi zu entschwinden. Das uns entgegengebrachte Vertrauen wollte wir aber auf keinen Fall enttäuschen. Wir angekündigt saß unser 27jähiger, verheirateter, fertigstudierter Maschinenbauingenieur eine Station weiter und warte auf uns. Die vereinbarten 100 CUC verstaute er ungeprüft in seiner Tasche. Auf die Sache mit dem Vertrauen angesprochen, meinte er nur, dass er sich bei uns diesbezüglich keine Sorgen gemacht habe. Weiter habe er auch bei vergangenen Geschäften nie mit einer Enttäuschung heim gehen müssen.

In einem anschließenden kurzen Dialog erzählte er, dass er wahrscheinlich an ein paar der neuen Partagás D4 Reserva herankommt. Da ich sofort mein Interesse bekundete, schlug er mir vor, dass ich ihn doch am morgigen Tag anrufen könnte, ob er nun tatsächlich an ein paar Reservas gekommen ist. Sollte seine Antwort positiv sein, so könne man am Telefon gleich wieder ein Treffpunkt ausmachen. Darauf einigten wir uns dann auch. Mit einem herzlichen „see you“ verabschiedeten wir uns.

Den Abend verbrachten wir nach einem Besuch beim Fettfritze und Nacktbaden im Meer auf unserer Havanda (Veranda, auf der Havanna Club konsumiert wird). Dazu wurden MTV Espaniol und ein Salamones vom Reynaldo gereicht.

Am dritten Tag war Relaxen angesagt. Nachdem wir verschlafen hatten und somit das Frühstück verpassten, gab es (nachdem wir unsere Strandausrüstung im Rucksack verstaut hatten) um 11.30 Uhr beim Fettfritzen Pommes und Bier als Frühstück, bevor wir uns dem Sonnenbad hingaben. Der Strand war sehr breit, sehr feinsandig und kann als sauber bezeichnet werden. Ab und zu kullerte eine Bierdose durchs Bild, aber ansonsten war`s OK. Das Meer ließ keine Wünsche offen, 50 Meter türkisblaues, flaches Wasser, bevor der Ozean ins Tiefblaue überging. Aber selbst dort war das Wasser derart klar, dass man den Boden noch sehen konnte.

Vom Hotel aus standen uns ein paar Palmsonnenpilze zur Verfügung. Selbst um 12 Uhr mittags war es kein Problem noch eine Schattenplatz und drei Liegen zu bekommen. Ein Angestellter wuselte den ganzen Tag durch die Gegend, versorgte Neuankömmlinge mit Liegestühlen, räumte unentwegt den Müll weg und sorgte am Abend durch Zusammenstellen der Liegen wieder für Ordnung. In einem Baum hing ein Schild, dass den Preis für eine Liege mit 2 CUC auswies, so stand es auch in der Beschreibung des Hotels im Internet. Irgendwelche Zahlungen wurden aber nie gefordert, dennoch gaben wir stets für die gute Arbeit ein Trinkgeld am Ende des Abends. 100 Meter von unserer Bräunungsbasisstation entfernt befand sich die hoteleigene Bar, welche uns zu äußerst fairen Preisen (1 CUC) mit cerveca versorgte. Gegen Mittag wurden wir von einem Bademeister angesprochen, ob wir nicht Bock hätten für 10 CUC pro Person Fisch zu essen. Dazu gereicht werden Pommes und Salat. Und kam entgegen, dass das Mittagessen direkt am Stand stattfinden sollte. So willigten wir ein. Im Laufe des Tages stellten wir fest, dass dieser private Service auch von anderen genutzt wurde. Der Fisch war übrigens sehr lecker, die Beilagen ausrechend und das Bier (kostete extra) gut gekühlt. Feine Sache. Etwas seriöser wäre es aber gewesen, uns drei Fische für drei Personen zuzubereiten. Statt dessen stellte man vier Fischgerichte auf den Tisch, wohl in der Hoffnung, dass wir uns über diesen auch noch stürzen würden. Da wir aber den Fisch ignorierten, jammerte man uns voll, wir hätten schließlich auch 4 Fische bestellt (dabei wusste er zu genau, dass mit „4“ die Uhrzeit der Nahrungsaufnahme vereinbart wurde), er müsste die Kosten dafür tragen, blablabla. Schließlich hat sich ein befreundeter Polizist um den Fisch gekümmert. Ein Beigeschmack bleibt trotzdem.

Das Abendprogramm gestaltete sich wieder klassisch. Nachdem wir im Hotel Pino wieder an der Rezeption Bier, Cola und Rum besorgten und noch genügend Cigarren auf dem Zimmer waren, war das Unterhaltungsprogramm gesichert. Vorab spielten sich aber äußert erbärmliche Szenen auf dem Zimmer ab, da Major und Timo mit Aprés- Milch versuchten, den Schmerzen ihres Sonnenbrandes Herr zu werden. Ich im übrigen hatte meinen Kontakt aus der Cigarrenfabrik angerufen. In der Tat konnte er die D4 Reservas besorgen. Sogleich vereinbarten wir, uns am Ostersamstag um 19.30 wieder im Inglaterra wegen der Übergabe zu treffen.

Zu Beginn des dritten Tages in Havanna (also den vierten Tag unserer Reise) begannen wir mit einer Besichtigung der Cigarrenfabrik Romeo y Julietta. Da meine Kollegen beim Aufstehen, beim Frühstück und bei den morgentlichen Waschungen etwas behäbig waren, kam es, dass uns das Taxi punkt 11 Uhr vor der Fabrik absetzte: Mittagspause. Im übrigens sind die Hinweisschilder der zu besichtigenden Fabriken gleich. Führungen werden angeboten von 9 bis 15, Mittagspause von 11 bis 12, Führungen in Spanisch, Englisch,... Fotografieren verboten, usw. Da wir nun 1 Stunde Zeit hatten, setzten wir uns in die „VIP- Lounge“ der angeschlossenen Verkaufsräume und schmauchten eine. Dazu wurde uns ein Bier gereicht (was stolze 3 CUC kostete, aber wir waren ja VIPs) und im Fernsehen entschieden wir uns für Live- Schach. In abgeschwächter Form konnte man hier das gleiche Bild wie in Partagás erleben. Kleineren ruhigen Fasen folgten große Tumulte, weil wieder ein vollbesetzter Touribus sich im Geschäft entlud. Schnell eine Flasche Havanna Club und ein Kistchen 08/15- Cigarren mit Kreditkarte gezahlt und ab zurück in den Bus. Zum Glück erwischen wir beim Start der Führungen um 12 Uhr eine ruhige Phase, so dass unsere Führung aus nur 5 Interessenten bestand (bei Partagás waren es mindestens 15 Gäste). Dieser Umstand und natürlich auch die Vorbildung aus der bereits besuchten Fabrik erlaubten es uns, diesmal etwas gezielter Fragen zu den einzelnen Abläufen zu stellen. Auch wenn ansonsten Aufbau und Strukturierung der beiden Fabriken äußerst ähnlich waren, so konnten wir nun doch im erheblichen Maße unser Halbwissen ausbauen.

Nach der ebenfalls 40minütigen Führung nahmen wir ein Taxi zum Hotel Nacional. Nach kurzem Verweilen in dem sehr schönen Garten machten wir uns zu Fuß auf wieder in die Innenstadt, der Magen knurrte. Unterwegs kamen wir an einer Casa vorbei, wo wir für das Mittagessen Cigarren besorgten. Der Fußmarsch führte uns komplett entlang des Malecón, ab und zu eine Bierpause war obligatorisch. Der Küstenstraße merkte man deutlich an, dass Wochenende war. Etliche Leute nutzen die freie Zeit und machten Felsen am Fuße des Malecón zum Freibad. Manche machten einen erholsamen Familienurlaub, andere, männliche Jungendliche, machten vor den Chikas eine auf dick, indem sie sich von der Mauer des Malecón aus 4 Metern Höhe vorbei an den Felsen in kleine Wasserlöcher stürzen. Verschätzt man sich um 30 Zentimeter, so landet man etwas unsanft. Aber das passierte natürlich nicht. Ein weiterer Aspekt macht uns deutlich, dass Feiertag ist. Während wir noch am Mittwoch von Musikanten und Plunderverkäufer belagert wurden, versuchte an diesem Tag niemand, uns das Geld aus der Tasche zu ziehen. Äußerst angenehm!

Am „Monumento a Máximo Gómez” legten wir eine kurze Pause ein, bevor wir in der Altstadt Reynaldo besuchten, um die bestellten Diademas abzuholen. Neben den 25 äußerst königlichen Cigarren wanderten noch etwa 10 Sublimes, 10 „Pirmades Gigantes“ und 20 Salomones in unserem Gepäck. Als kleine Richtschnur für künftige Käufer anbei eine kleine Reynaldo- Preisliste: Diademas 10 CUC, Salomones 8 CUC, Sublimes 7 CUC und „Rießenpiramides“ 7 CUC. Selbstgedrehte Cigarren müssen bar bezahlt werden. Eine Rechnung gibt es nicht. Es empfiehlt sich daher, die Cigarren am Flughafen im Koffer aufzugeben, um bei der anschließenden Personenkontrolle doofen Fragen nach der Herkunft der Cigarren aus dem Weg zu gehen.

Anschließend aßen wir bereits zum zweiten Mal zu Mittag im „El Mesón del la Flota“ (Calle Mercaderes No 257, zwischen den Querstraßen Amagura und Teniente Rey). In der „Herberge zur Flotte“ stehen vor allem Fisch, gegrillte Meeresfrüchte und Langusten auf der Speisekarte. Aber auch die Vorspeisen und Beilagen lassen keine Wünsche offen. Die Qualität der Speisen war (zumindest was unsere Erfahrungen betrifft) unübertroffen und das zu angenehmen Preisen. So kostete z.B. gegrillter Fisch oder der Hummer- Spieß 10 CUC. Auch der Service war 1A. So wurde einem blitzschnell frisches Besteck gereicht, wenn einem mal das Messer zu Boden gefallen ist. Beim Anzünden unserer Cigarren eilte uns sofort ein Ober zu Hilfe und reichte uns Feuer und auch sonst erkannte das Personal jeden (unausgesprochenen) Wunsch. Der beste Laden in der Altstadt! Nur die im Reiseführer angesprochenen Flamenco- Vorführungen waren mittags nicht zu sehen.

Den späten Nachmittag wollten wir wieder im liebgewonnenen „Parque Central“ verbringen. Von der Altstadt hatte aufgrund der zahlreichen Parallelstraßen in Richtung Zentrum die Möglichkeit jedes Mal eine andere Route für den Spatziergang zu wählen. Die Besichtigung der Straßen „San Juan de Dios“, „O`Reilly“, „Obispo“ oder „Obrapía“ ermöglichen es einem, in der halben Stunde, die man gemütlich unterwegs ist, das Leben der Einehimischen abseits der schön hergerichteten Altstadt- Hotels und –restaurants zu erfahren. Besonders empfehlenswert sind aber die etwas südlicher gelegenen Straßen „Lamparilla“, „Amagura“ oder „Teniente Rey“, da diese ab und zu mit Blick auf das 1km entfernte Capitol an der kleine aber feinen Kirche „Iglesia de Santo Cristo del Buen Viaje“ am „Plaza del Cristo“ vorbeiführen. An der „Tiente Rey“ komt man zusätzlich an der „Iglesia y Converto de Santa Teresa“ vorbei – ist auch ein Foto wert. Bei besagten Routen zum Zentrum kann man ebenfalls sich sehr gut einen Eindruck über die Wohnweise der Zentrumsbewohner machen. Spielende Kinder, diskutierende Opis und kleine Geschäfte begegnen einem unterwegs.

Nach einem Bier im Zentralpark fanden wir uns wieder im Inglaterra ein. Yimal war diesmal etwas mehr im Stress, das merkten wir sofort. Er entschuldigte sich auch dafür, aber der glückliche Empfänger der restlichen Reservas wartete auch bereits in einer anderen Bar. Die Prozedur bei der Cigarrenübergabe war wieder die selbe. In seiner Abwesenheit überzeugte ich mich von der Qualität der Cigarren. Zwar war es ihm nicht möglich, eine der für die Rerservas vorgesehene Kisten zu besorgen, statt dessen waren die Dinger (für den bequemeren Transport) in einer Edmundo- Kiste verstaut. Wie erwartet waren die Cigarren 1A, die Geldübergabe war wie gewohnt eine Ecke weiter. Da die kubanischen Pesos knapp wurden, akzeptierte er auch 100 Euro. Nachdem er uns fragte, wie lange wir noch in Havanna sind, erzählten wir ihm, dass wir am Montag ein letztes Mal in der Stadt sein werden. Er schlug uns vor, ihn kurz in der Fabrik während der Arbeitszeit zu besuchen – einfach den Türsteher nach ihn fragen und er sei wenige Minuten später bei uns. Eine kleine Abschiedscigarre hätte er noch für uns.

Den restlichen Abend verbrachten wir bis ungefähr Mitternacht mit Havana Club und Cigarren am Malecón, den letzten Schlummertrunk gab es dann wieder auf der Havanda. Am Ostersonntag war wieder Strandtag angesagt. Aufgrund des Feiertages erwarteten wir große Menschenmassen in der Hauptstadt, das wollten wir uns nicht antun. Am Strand bot sich uns diesmal ein komplett anderes Bild. Wie man bereits dem Reiseführer entnehmen konnte, ist der Stand bei Santa Maria (Playa del Este) ein beliebtes Ziel für Wochenendausflüge für die Stadtbevölkerung. Und in der Tat: Die vielen leeren Flächen (deren Sinn uns vorher nicht klar wurde) waren proppevoll mit Autos, unser Fettfritze war überlagert, er machte an den Wochenenden sicherlich den gleichen Umsatz wie die kompletten Werktage zusammen. Und auch am Strand waren Hunderte von Einheimischen. Zwar war denen nicht erlaubt, die Liegen und somit auch die Schattenplätze unseres Hotels zu benutzen, aber der sicherlich 10 km lange Strand, der sich über mehrere Ortschaften zog, bot genug Platz für alle. Bei einem kleinen Spaziergang entlang des Strandes konnte man aber feststellen, dass dennoch 95% in kubanischer Hand war. Major und Timo versteckten sich (bis auf einen Abstecher ins Meer) im Schatten (Stichwort fetter Sonnenbrand), deren Bierdurst war aber Gott sei Dank ungebrochen. Der Abend war klassisch: Havana Club und Cigarren. Weiter hatten wir die Möglichkeit, Fidels Reden im TV zu sehen. Nach 15 Minuten mussten wir umschalten, da wir sonst eingeschlafen wären. Die 78 Jahre merkt man dem guten Mann an. Obwohl er offenbar ein, zwei Schnitzer in seiner Argumentationskette hatte (das merkten wir an den Lachern im Publikum, seinen Fragen zur Seite und der Korrektur seines Manuskriptes), wirkte er dennoch in der Stimme gefestigt und konzentriert. Dennoch hatte die Rede nix von einer reißerischen Brandrede, eher erinnerte das Geschwafel an die Aufklärungsarbeit eines Opis, so nach dem Motto „Ihr seid alle doof, aber ihr habt ja mich, der in stoischer Ruhe gerne die Welt erklärt“.

Den letzten Tag unserer Reise wollten wir wieder in Havanna verbringen. Die erste Station sollte der Markt an der Hafeneinfahrt sein, um für die Daheimgebliebenen ein paar Souvenirs zu kaufen. Leider hatte dieser am Ostermontag Ruhetag. Der zum Glück ortskundige Taxifahrer konnte aber Abhilfe schaffen, in dem er uns zu einem Markt in der Nähe des Meliá Cohiba karrte. Entlang des Malecóns, vorbei am „Monumento a Calixto García“ landeten wir dann irgendwo in der Calle 1ra, knapp 500 m östlich des Meliá Cohiba.

Der Markt bietet alles, was der typische Trödelmarkt in Havanna so hergibt. Ölgemälde in allen Farben, aus Coladosen selbstgebastelte Autos, Holzschnitzereien, Kleidung, Schuhe, Schmuck, alte Bücher und anderes. Besonders in Erinnerung geblieben ist uns ein Händler, der uralte Cigarrenkisten verkaufte. Für die Kisten, teilweise von 1920, verlange der Händler dann allerdings 50 bis 60 CUC, Mengenrabatt war möglich. Beeindruckt vom Angebot lehnten wir dennoch dankend ab, der Kram fährt daheim eh nur rum und ein Tabakmuseum war unsererseits auch nicht geplant.

Nach den Einkäufen machten wir uns auf dem Weg zum Meliá Cohiba (Ave 3ra No 76 y). Dort wollten wir in der Casa del Habano im ersten Stock die Torcedora Yolanda Medina besuchen. Wie wir später erfuhren war die Dame aufgrund einer Chinareise zur Zeit nicht am Start, genügend Cigarren für Ihre Fans waren aber angeblich vor der Abreise gefertigt worden. Leider müssen wir dem Service der Casa die Schulnote 6 vergeben. Keiner der zwei anwesenden Personen wollte sich mit uns beschäftigen. Zu gegen war ein schlecht gekleideter afroamerikanischer US- Bürger (vielleicht war`s auch ein Kanadier), der wohl den halben Laden gekauft hat. Auf jeden Fall waren er und die zwei Angestellten während unseres Aufenthaltes (und der war mit 30 Minuten sicher nicht kurz) damit beschäftigt, die bestimmt 5stelligen Pesobeträge zu zählen, die der Kunde aus seiner Tasche zauberte. Wenigstens ein Angestellter hätte kurz nach unseren Wünschen fragen können. Nachdem selbst die eingetroffene „Ersatztorcedora“ uns keines Blickes würdigte (freundlich ist man wohl erst ab ofiziellen Dienstbeginn), machten wir ein paar Fotos vom sicherlich schönsten Himidor, den wir besuchten. Danach waren wir weg. Verlässt man das Meliá Richtung Süden, so kommt man auf die sehr großzügig gestaltete Straße „Paseo“ direkt zum „Plaza de la Revolucíon“ mit dem „Memorial José Matí“. Links und rechts eines breiten Grünstreifens, der auch zum Verweilen einlädt, verläuft der circa 2 km lange Weg dorthin. Auf dem Weg kommt man an vielen schön restaurierten Gebäuden vorbei. Erreicht man das „Teatro Nacional“, hat man es fast geschafft. Bevor man endgültig das Memorial besteigt, kommt man am „Ministerio del Interior“ vorbei, an dessen Wand das Portrait von Che Guevara prangt. Möchte man die Plattform des 139m hohen Obelisk des Memorials (erbaut 1958) betreten, so hat man am Zugang 1 Peso abzudrücken. Die Besichtigung des Museums hätte 4 Peso gekostet. Aber die Fotos und Dokumente des Nationalhelden waren uns zu öde. Schön ist übrigens der Blick hinüber zum Zentrum. Zwischen den vielen Gebäuden ragt das Capitol empor.

Die Taxidichte am Revolutionsplatz ist erbärmlich. Zwar ist ein großer Parkplatz vorhanden, dort aber halten nur die Touribusse für eine Besichtigung. Kaum jemand besucht den Platz als Individualtourist mit dem Taxi. Zwar befindet sich unweit die recht gut befahrene Av. Rancho Boyeros, dort traute sich aber kein Taxi anzuhalten, die meisten waren eh besetzt. So blieb uns nichts anderes übrig, als auf die 2 Eier zurückzugreifen. Die gelb- orangenen Motor- Dreiräder in Form einer Kokosnuss kosten 0,5 Peso je gefahrenen Kilometer. Vor Fahrtbeginn wurde aber der Fahrpreis zum Capitol mit 4 Peso festegelegt und der Taxameter ausgelassen. Die Fahrt i gestaltete sich äußerst witzig. Sieht man mal von der drohenden Gasvergiftung des knatternden Zweitakters ab, kann man so hautnah die Fahrt durch die Gassen genießen. Auch waren wir schneller als der restliche Verkehr. Die gefährlichen Überhol- und Slalommanöver gegen noch so große Fahrzeuge sind nicht jedermanns Sache. Während Major mit einem anderen Ei fuhr – es passen nur 2 Passagiere rein – unterhielten Timo und ich mich angeregt mit dem Fahrer, der recht passabel Englisch konnte. Unsere Heimat Stuttgart kannte er, schließlich war er auf seinen Mercedes Benz daheim, Baujahr `58 ganz stolz. Nur der hohe Sprit- und Ölverbrauch ärgerten ihn ein wenig.

Im Capitol angekommen, machten wir uns auf den Weg zur Fabrik Partagás. Nicht vergessen hatten wir, dass Yimal uns eine Abschiedscigarre schenken wollte. Zum Glück mussten wir nicht nach ihm fragen, da wir ihn gleich am Eingang mit einer Tourigruppe trafen. Freudig überrascht ob unseres Daseins begrüßte er uns und bat uns, noch 5 Minuten zu warten. Wir beobachteten wir ein paar Minuten das uns bekannte wilde Treiben in den Verkaufsräumen. Auch an diesem Tag kein Spaß. Yimal kam dann nach den versprochenen 5 Minuten und reichte jedem von uns eine Siglo VI. Wir bedankten uns und er wünschte uns eine gute Heimreise. Da wir bereits beim ersten Treffen seine Emailadresse bekamen und auch er im Besitz unserer Visitenkarten ist, versprachen wir uns, in Kontakt zu bleiben. Zum einen interessierte er sich für die Urlaubsbilder, die bald auf der CC- Homepage erscheinen sollten, und zweitens weiß man ja nie, ob man bei seiner nächsten Reise wieder einen derart freundlichen und vertrauenswürdigen Kontakt benötigt.

Draußen vor der Fabrik ließen wir uns von ein paar Straßenhändlern („Wanna cigars?“) anquatschen lassen. Timo (ein Student mit wenig Taschengeld ) wollte nun dann doch so günstige und wie wir wissen nicht immer schlechte Kiste kaufen. Den "alten Händler" haben wir an dem Tag nicht mehr gefunden, also begleiteten wir den anderen Dealer. Der wollte uns aber fürs erste eine Menge Scheiß anbieten. Zwar sah die Ware weit besser aus als vor 3 Jahren, aber Kleinigkeiten störten doch. So waren die angeblich echten Siglo VI mit alten Bauchbinden versehen, die Robustos waren zwar farblich aufeinander abgestimmt, die Brandenden hatten aber unterschiedliche Form. Das Zedernblatt zwischen den 2 Lagen der Monte 2 war zu kurz, die Bauchbinden der Churchill von RyJ waren zu hoch angebracht, etc. Nachdem der Kerl erkannte, dass wir uns auskannten (er nannte mich fortan „expert“), führte er uns 2 Blocks weiter, wo dann nun endlich akzeptable Cigarren am Start waren. Zwar wollte er erst 150 Dollar für die Siglo VI, letztendlich einigte man sich auf so circa 60 Dollar. Fand ich zwar auch noch viel, aber es ist schließlich das Geld meines Freundes und er muss am Schluss das Kraut rauchen. Also habe ich mich nicht weiter eingemischt.

Bis auf die Tatsache, dass das Zedernholzblättchen und der Datumsstempel fehlten, konnte ich keine Fehler feststellen. Über die Rauchprobe werde ich bei Zeit noch berichten.

Fazit: Ich hätte die Dinger nicht gekauft. Ich fand es schon recht unfein von dem Herrn, dass er uns erst den Dreck verkaufen wollte und auch schon dort behauptete, das seien feine Cigarren. Da hat er mein Vertauen schon verspielt - für mich wäre da "die Geschäftsbeziehung" schon gekündigt worden. Timo ist aber nun ganz glücklich. Die Bilder und die verkosteten Monte 2 zeigen zumindest, dass auch auf der Straße Cigarren verkauft werden, die einen nicht sofort ins Krankenhaus bringen.

Nach einem Spatzierang, der uns ein letztes Mal in die Altstadt führte, speisten wir wieder im „El Mesón de la Flotta“, bevor wir endgültig Havanna verließen. In Santa Maria haben wir uns dann am frühen Abend mit ein paar Bier bewaffnet vom Strand verabschiedet. Schlecht Wetter zog auf und so hatten wir dann am letzten Tag doch noch die Möglichkeit in einem tropischen Regen zu duschen, einfach herrlich.

Das schlechte Wetter zwang uns aufgrund des Windes, die Siglo 6 von Yimal auf dem Zimmer anstatt auf der Havanda zu rauchen. Nach der Cigarre tranken wir noch zwei Mojitos in der Hotelbar.

Am nächsten Tag ging es zurück zum Flughafen. Unser Flug ging um 15.45, Majors Flug nach München ging erst um 19 Uhr. Dennoch war es früher daheim, da wir mit unserem Flieger in Cancun, Mexiko halt machten. Dort nahmen wir ein paar weitere Touris auf. Da zudem das Flugzeug gereinigt und aufgetankt wurde, hatten wir über eine Stunde Aufenthalt im DutyFree. Unsere letzten Dollar hauten wir beim Burger King auf dem Kopf. Mit der Kreditkarte kauften wir uns noch ein T-Shirt „Springbreak Cancun 2005 – been there, bought this T-Shirt“.

Morgens um 11 Uhr landeten wir in Brüssel. Zwar hatten die Damen uns Herren vom Zoll bereits Stellung gezogen, von uns wollten sie aber nix wissen. Und so sind wir mit unserem leichten Übergepäck an Cigarren in die Freiheit entlassen worden. Die Zugfahrt war äußerst ätzend. Da Zugbindung bestand, hängten wir erst einmal 4 Stunden im scheißelangweiligen und verregneten Aachen rum, bevor es losging. Gegen 23 Uhr und somit circa 38 Stunden nach dem Aufstehen hatte uns die Heimat wieder.

 

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